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Jeder Bastler hat seine Methode, mit der er die besten
Erfahrungen beim Auslöten von ICs gemacht hat. Hier also mein einfaches
Verfahren, mit dem ich ICs (im DIL-Gehäuse) von Ausschlacht-Platinen
auslöte. Wenn man dabei etwas Geschick walten läßt, werden
die ICs dabei kaum erhitzt und erleiden keinen Hitze-Kollaps. Man benötigt
lediglich einen möglichst heißen Lötkolben mit etwas breiterer
(mindestens 5 mm) aber flacher Spitze, also ähnlich einem dickeren
Schraubenzieher-Ende geformt.
Die Bauteile links und rechts des ICs werden so weit entfernt, daß
man mit einem kleinen Schraubenzieher oder einer stabilen kurzen Messerklinge
unter das IC kommt. Da die meisten Elektronik-Platinen nach dem Lötbad
gewaschen werden, werden die Lötpunkte des ICs zunächst mit
einem flußmittelhaltigen Lötdraht sparsam frisch verzinnt.
Das ist der Trick bei der Sache, da durch das hierbei zugeführte
Flußmittel ein guter Wärmekontakt zwischen Lötkolben und
Lötpunkten erzielt wird. Jetzt wird der flache Schraubenzieher (oder
Messer) am einen Ende unter das IC gesteckt möglichst nahe der Pinreihe,
die als erste ausgelötet werden soll. Platine senkrecht auf dem Basteltisch
stellen, Schraubenzieher mit der linken Hand halten, mit der rechten Hand
mit dem flachen Lötkolben zügig längs der auszulötenden
Pinreihe hin und her fahren, bis das Lötzinn überall flüssig
wird, gleichzeitig den Schraubenzieher hebelnd verdrehen, bis das IC auf
dieser Seite möglichst zügig ganz aus der Platine herausgehebelt
werden kann. Falls das beim ersten Versuch nicht ganz gelingt, Schraubenzieher
auf der anderen Seite ansetzen und Vorgang wiederholen. Eine gewisse Verbiegung
der Pins auf der anderen Seite kann später wieder gerichtet werden.
Ist das IC auf der einen Seite raus, das hochgebogene IC an den Enden
mit Zeigefinger und Daumen der linken Hand fest packen und aus der Platine
herausziehen, während die andere Pinreihe auf der Lötseite mit
dem Lötkolben zügig bestrichen wird.
Wichtig ist, daß man die Pinreihen möglichst beim ersten Versuch
schon aus der Platine herausbekommt (was mit einiger Übung bald gelingt),
damit das Lötzinn (mit seiner relativ hohen Wärmekapazität)
beim Erkalten seine Wärme nicht mehr an das IC abgeben kann. Ich
habe mit dieser Methode schon bis zu 40-polige ICs ohne merkliche Erhitzung
ausgelötet.
Eine weitere in meiner Praxis bewährte, die wohl schonendste, aber
kostenintensivere Methode ist die Verwendung von Lötsauglitze. Hier
hat sich ebenfalls, auch wenn das paradox klingen mag, die vorherige sparsame
Neuverzinnung mit einem flußmittelhaltigen Lötdraht bewährt.
Sauglitze an die auszulötenden Pins anlegen und mit einem heißen
Lötkolben mit breiter Spitze andrücken, bis die Litze das Lot
aufgenommen hat.
Zum Ausschlachten am besten geeignet sind die phenolharzgetränkten
Hartpapier-Platinen der Consumer-Elektronik. Bei durchkontaktierten glasfaserverstärkten
Platinen versagt die Methode, da das Lötzinn bis zur Oberseite in
die Lötaugen fließt. Derart eingelötete ICs lassen sich
so kaum ohne Hitzeschaden auslöten.
Andere machen es anders. Hier einige weitere Auslöt-Tipps
aus meinem Gästebuch.
Hendriks Methode zum schonenden Auslöten von
ICs: "Lötpunkte einzeln schmelzen und Zinn mit Preßluft
(10 bar) wegblasen. Vorteil: geht auch bei doppelseitigen Platinen und
sehr großen ICs. Kühlt zudem das IC sofort wieder runter und
vermeidet zuverlässig Hitzeschäden. Nachteil: Das spritzende
Zinn ist nicht ungefährlich (Brille !) und saut ziemlich rum."
Hermann schreibt: "Auslöten von Platinen, die nicht mehr gebraucht
werden. Heißluftgebläse ca. 300 Grad C, Karte senkrecht in
Schraubstock spannen. Beinchen anblasen, bis Zinn flüssig ist, Bauteil
herausziehen (z.B. Spitzzange oder hebeln mit Messer), bisher keine Bauteile
beschädigt. Wer Angst hat wegen Hitzetod kann die Bauteile in Wasser
werfen. ...(Anmerkung eines Gästebuch-Screibers: Plötzlicher
Abkühlungsschock könnte Teile zum Platzen bringen. (???)) Den
Rest (SMD), Widerstände und KoKos mit Druckluft in Eimer blasen.
Sortieren allerdings immer mit Lupe. ... Mist ist allerdings, wenn die
Bauteile mit rotem Kleber für die Schwalllötung fixiert wurden.
Da verzichte ich auf die Kleinteile."
Haralds Tipp dazu: "Dünnen 15 cm langen Draht diagonal unter
das IC schieben, verdrillen, mit Heißluft Lot schmelzen und IC am
Draht herausziehen, alle IC-Beinchen bleiben gerade."
Noch ein Tipp von Hermann, besonders geeignet auch für durchkontaktierte
Platinen: "... 0,9 mm Injektionsnadel (Niro) vorn abgeschliffen und
mit 1mm Bohrer angefast. Lötauge anwärmen, bis Lot flüssig
ist. Ohne den Lötkolben wezunehmen, die Nadel über das Beinchen
schieben und dabei drehen. Nacheinander alle Beinchen bearbeiten. Funktioniert
auch bei durchkontaktierten Platinen mit großen Masseflächen.
..."
Ähnlich macht es Pauli: "... Besorge Dir aus der Apotheke eine
0,8er und eine 0,6er Kanüle und schleife bei beiden diem Spitze weg.
Dann das überschüssige Zinn an den Pins eines IC kurz verflüssigen
und mit der Lötlutsche absaugen, damit die Pins freiliegen. Dann
die einzelnen Pins erwärmen, die 0,8er drüberstülpen und
etwas in die Bohrung drücken. Mit jedem Pin wiederholen, dann fällt
das IC von selbst heraus. Die 0,6er benötigt man für durchkontaktierte
und für Oberflächen gelötete ICs. Am VA hält kein
Lötzinn, daher funktioniert das so hervorragend."
Harald, Hendrik, Hermann und Pauli, vielen Dank für Eure Tipps !
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