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Was können wir nun mit unserem Transistor, den wir
als Stromverstärker jetzt verstehen, machen ?
1) Der Transistor als Schalter und in digitalen Anwendungen
Im folgenden beziehen sich alle Spannungsangaben auf das Bezugspotential
von 0 V, auch Ground (GND)- oder Masse-Potential (untere Linie in Bild
4 und 5) genannt.
Wir bauen die Versuchs-Schaltung nach Bild 4 mit einem Spannungsmesser
am Collector des BC 548 auf. Zunächst wird der Schalter S an 0 V
gelegt: Es fließt überhaupt kein Strom in der Schaltung, denn
an der Basis liegt keine Spannung, die Collector-Emitter-Strecke hat demzufolge
einen unendlich hohen Widerstand, der Transistor ist "gesperrt",
der Spannungsmesser zeigt + 12 V an, da auch durch den 10 kOhm-Widerstand
im Collector-Kreis kein Strom fließt und demzufolge an diesem nach
dem Ohmschen Gesetz kein Spannungsabfall auftritt.
Der variable 1 MOhm-Widerstand wird auf den größten Wert gestellt
und der Schalter S nach + 12 V umgeschaltet. Es kann jetzt ein sehr kleiner
Strom in die Basis fließen, demzufolge auch ein zunächst noch
kleiner Strom von +12 V über den 10k-Widerstand und die Collector-Emitterstrecke
nach GND, also im "Collector-Stromkreis" fließt. Der Spannungsmesser
zeigt wegen des Spannungsabfalls an dem 10k eine Spannung kleiner + 12
V an. Wenn wir den Wert des variablen 1 M nun langsam verkleinern, fließt
mehr und mehr Strom in die Basis und entsprechend deutlich mehr Strom
im Collector-Stromkreis, da der Widerstand der Collector-Emitterstrecke
mit steigendem Basisstrom sinkt. Der Spannungsmesser zeigt eine immer
kleinere Spannung an, da der 10k-Widerstand und die Collector-Emitterstrecke
einen Spannungsteiler bilden, an dessen Mitte der Spannungsmesser liegt.
Durch weiteres Verkleinern des 1M (der 22k schützt die Basis vor
Kurzschluß, falls der 1M zu Null gemacht wird) erreicht der Basisstrom
schließlich einen solchen Wert, daß die Collector-Emitter-Strecke
völlig leitend, also deren Widerstand fast zu Null wird, der Transistor
ist im "Sättigungs-Zustand", das Instrument zeigt fast
0 V an.
Bei Hin- und Herschalten von S wechselt die Anzeige des Instruments zwischen
+12 V und 0 V, der Transistor wirkt als Schalter, der mit einem kleinen
Basisstrom eine Spannungsquelle ein- und ausschaltet ! Man könnte
z.B. den 10 k auch durch ein Relais ersetzen, das mit S aktiviert werden
kann, und mit dessen Schaltkontakten irgend etwas anderes ein/ausschalten.
Häufig wird ein Transistor als Schaltverstärker auch hinter
ein z.B. digitales CMOS-IC gesetzt, das selbst nur sehr geringe Ströme
schalten kann.
Auch bei (fast) allen Anwendungen in der Digitaltechnik wird der Transistor
im gesperrten oder im Sättigungszustand betrieben.
2) Der Transistor als Wechselspannungsverstärker
In dieser Anwendung ist die Schaltung (Bild 5) schon ein wenig aufwendiger.
Die zu verstärkende z.B. von einem Mikrofon gelieferte kleine Wechselspannung
enthält auch Anteile negativer Spannung, die auf die Basis gegeben,
die Basis-Emitterdiode in Sperrichtung betreiben und damit den Transistor
gesperrt halten würden. Man muß das Gleichspannungs-Potential
der Basis also anheben, damit auch bei den negativen Halbwellen der Eingangswechselspannung
die Basis-Emitter-Diode immer in Durchlaßrichtung arbeitet und der
Transistor verstärkend wirken kann. Man erreicht dies mit dem Spannungsteiler
R1, R2, dessen Verhältnis meist so gewählt wird, daß am
Ausgang AUS der Schaltung, also am Collector etwa die halbe Betriebsspannung,
hier also etwa + 6 V ansteht. Damit kann der Collector, der den Ausgang
der Schaltung bildet nach beiden Seiten symmetrisch "ausgesteuert"
werden. Der Emitterwiderstand R4 sorgt dafür, daß der Emitter
nicht fest an 0 V angebunden ist, sondern der angehobenen Basisspannung
vermindert um die praktisch unveränderliche Diodendurchlaßspannung
von etwa 0,65 V (Basis-Emitter-Diode !) folgen kann. Der für Wechselspannung
durchlässige Kondensator C1 hält am Eingang EIN möglicherweise
anstehende Gleichspannungen von dem Wechselspannungs-Verstärker fern,
der Kondensator C2 überbrückt für Wechselspannung den Emitter-Widerstand
R4.
Beachte: Man unterscheidet zwischen der reinen
Gleichspannungs-Einstellung, auch "Arbeitspunkt-Einstellung"
der Schaltung genannt, die durch die Widerstände R1, R2 und R4 bestimmt
wird und dem Wechselspannungsverhalten der Schaltung, für das die
Kondensatoren C1, C2 und der "Arbeitswiderstand" R3 im Collectorkreis
von Bedeutung sind.
3) NPN- und PNP-Transistoren
Beim Betrieb des bisher betrachteten NPN-Transistor (bei dessen Symbol
zeigt der Emitterpfeil weg von der Basis) liegt
am Kollektor und an der Basis immer eine mehr oder weniger positive Spannung
gegenüber dem Emitter (vgl. Bild 3a, 3b oben). Der PNP-Transistor
(bei dessen Symbol zeigt der Emitterpfeil hin
zur Basis) verhält sich komplementär (spiegelbildlich) zum NPN-Transistor,
d.h. alles zum NPN-Transistor Gesagte gilt auch genauso für den PNP-Transistor
dann, wenn man die Betriebsspannungen umdreht. Also, beim Betrieb eines
PNP-Transistors liegt am Kollektor und an der Basis immer eine mehr oder
weniger negative Spannung gegenüber dem Emitter.
Häufig werden NPN- und PNP-Transistoren gemischt eingesetzt, wodurch
sich trickreiche Schaltungsmöglichkeiten ergeben.
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