|
Der Glockenanker-Motor (nach dem bekanntesten Hersteller auch Faulhaber-Motor
genannt) ist eine spezielle Bauform des Gleichstrom-Permanentmagnet-Motors
und gehorcht den gleichen Gesetzmäßigkeiten.
Glockenanker-Motoren haben als Besonderheit eine meist als Schrägwicklung
ausgeführte freitragende, eisenlose Ankerwicklung (Bild rechts (Copyright
Faulhaber)), die z.B. durch eine Kunstharz-Tränkung ihre Stabilität
erlangt. Sie sitzt in Form einer Glocke zusammen mit dem Kollektor auf
der Ankerwelle. Den Aufbau des Glockenankermotors zeigt grobschematisch
das Bild links.
Aufgrund seines besonderen Aufbaus hat der Glockenanker-Motor einige spezielle
Eigenschaften, die bei dessen Verwendung zu beachten sind:
- Der Motor ist meist nicht ohne Zerstörung demontierbar. Daher sind
kaum Reparaturn möglich, auch die Kollektor-Bürsten, die durchweg
aus feinen, auf dem Kollektor leichtgängigen Golddrähten (oder
vergoldeten Drähten) bestehen sind daher nicht austauschbar.
- Aufgrund des eisenlosen Glockenankers hat der Motor ein geringes Massen-Trägheitsmoment
und zeigt keine "Polfühligkeit". Daraus resultiert ein
hervorragendes Anlaufverhalten, die Solldrehzahl wird schnell erreicht,
der Wirkungsgrad ist hoch (55 bis 85 %); er benötigt daher bei gleicher
mechanischer Leistung eine geringere Stromaufnahme als andere Permanentmagnet-Motoren.
- Bei Verwendung für Modellbahn-Lokomotiven in Verbindung mit einem
selbsthemmenden Schneckengetriebe (Antrieb nur in Richtung Schnecke ->
Stirn-Zahnrad möglich, bei Antrieb in umgekehrte Richtung Zahnrad
-> Schnecke blockiert das Getriebe) ist eine Schwungscheibe auf der
Motorwelle unbedingt empfehlenswert, da die Lok sonst bei Abschaltung
der Fahrspannung wegen des geringen Motor-Trägheitsmomentes und des
blockierenden Getriebes abrupt stehen bleibt. Die Schwungscheibe kann
(weniger gut) elektrisch simuliert werden durch einen bipolaren Elko (220
Mikrofarad) oder zwei gegeneinander gepolter Elkos parallel zum Motor.
- Die Vorteile bei Betrieb mit Schwungscheibe sind ein sanftes Anfahren
und ein gutes Auslaufverhalten. Bei Blockstellenbetrieb kann ein zu langer
Auslauf evtl. zum Durchfahren des stromlosen Abschnitts führen.
- Der Glockenanker-Motor ist wegen des hohen Wirkungsgrades ein effektiver
Generator (Dynamo). Bei Abschaltung des Fahrstromes wird die in der Schwungscheibe
gespeicherte kinetische Energie durch den als Generator wirkenden Motor
in elektrische Energie verwandelt. Dies führt bei parallel zum Motor
geschalteten Verbrauchern (z.B. Glühbirnchen als Loklicht) zu einer
deutlichen Bremswirkung, die a) den gewünschten Auslaufeffekt zunichte
macht und b) bei evtl. zu hoher Strombelastung der empfindlichen Kollektorbürsten
die Lebensdauer des Motors verkürzt. Belasteter Generatorbetrieb
sollte daher (ggf. mittels geeigneter Schaltmittel) tunlichst vermieden
werden.
- Von einem reinen Halbwellen- oder Impulsbetrieb wird im allgemeinen
ebenfalls abgeraten, da hierbei eine ständige Wechselbelastung (Motor-/Generatorbetrieb)
auftreten kann. Bei Betrieb mit Impulsen ist auch eine ständige Überbelastung
der Kollektorbürsten in den Impuls-Stromspitzen möglich.
- Die Lebensdauer eines Glockenanker-Motors wird bei gleichmäßiger
Belastung mit etwa 1000 Betriebsstunden angegeben. Bei Halbwellen- oder
Impulsbetrieb kann sich diese deutlich vermindern.
|