|
Das vorhergehend Gesagte soll hier nochmals an einem praktischen Beispiel
zusammenfassend dargelegt werden. Das vorstehende Bild zeigt das gemessene
Leistungsdiagramms eines Elektro-Kleinmotors, in diesem Fall eines Glockenankermotors
(zu Glockenankermotoren siehe Abschnitt 10). Andere Permanentmagnet-Motoren
zeigen ein prinzipiell gleiches Verhalten, natürlich mit anderen
Zahlenwerten.
Das Bild zeigt das Drehmoment M, die elektrisch aufgenommene Leistung
L, die mechanisch abgegebene Leistung N und den Wirkungsgrad "eta"
als Funktion der Motordrehzahl n bei einer festen
Betriebsspannung U des Motors von 6 Volt. Im Unterschied zu Bild 5 des
vorhergehenden Abschnitts sind die Diagramm-Achsen vertauscht: auf der
Abszisse (waagerechte Achse) ist hier also die Drehzahl aufgetragen.
Ermittlung des Leistungs-Diagramms
Zur Ermittlung des Leistungsdiagramms verwendet man eine Versuchsanordnung,
mit der der Motor auf verschiedene Drehzahlen abgebremst werden kann.
Man mißt dann punktweise bei einzelnen Drehzahlen das Drehmoment
M (siehe unten !), die Stromaufnahme I des Motors und natürlich die
Drehzahl n selbst.
Die elektrische Leistungsaufnahme L ergibt sich durch Multiplikation des
gemessenen Stromes I mit der festen Betriebsspannung U. Die abgegebene
mechanische Leistung N ist proportional dem Produkt aus Drehmoment M und
Drehzahl n (analog zu Glg. 5, siehe oben), wobei ggf. die geeigneten,
festen Maßsystem-Unrechnungsfaktoren zu verwenden sind. Der Wirkungsgrad
"eta" ergibt sich als Quotient aus der abgegebenen mechanischen
Leistung N zur aufgenommenen elektrischen Leistung L.
Anmerkung zur Drehmoment-Messung mit einem Bremsdynamometer
Beim Erfassen einer rotierenden Welle mit der Hand oder mit aufgesetzten
Bremsklötzen wirkt eine Drehkraft, die diese mitzudrehen versucht.
Da diese am Umfang wirkende Kraft nach dem Hebelgesetz außer von
der Antriebsleistung auch vom Radius des rotierenden Teils abhängt,
ist nur die auf einen Einheitsradius umgerechneten Drehkraft, die Drehmoment
genannt wird, mit anderen vergleichbar.
Zur Ermittlung des Drehmomentes verwendet man häufig ein sogenanntes
Bremsdynamometer. Dies kann z.B. aus zwei auf die Welle aufgesetzten Bremsbacken
(Pronyscher Zaum) bestehen, die an einem Hebelarm über eine Federwaage
festgehalten und am Mitdrehen gehindert werden. Durch mehr oder weniger
Festziehen der Bremsbacken wird die rotierende Welle auf entsprechende
Drehzahlen abgebremst. Die dabei an der Federwaage abgelesene Kraft, dividiert
durch die Hebelarmlänge ergibt das Drehmoment bei der betreffenden
Drehzahl.
Experimentier-Idee zur Messung des Leistungsdiagramms
von Kleinmotoren.
Folgender kleiner Prüfstand für kleine Bastel-Motoren sollte
mit einfachen Mitteln zu realisieren sein: Man müßte eine kleine
Seilscheibe auf die Motorwelle montieren, auf die ein dünner Nähgarn-Faden,
an den verschiedene Gewichtchen angehängt werden können, aufgewickelt
wird. Durch den laufenden Motor wird der mit dem Gewicht nach unten hängende
Faden aufgewickelt, wobei man mit einer Stopp-Uhr die Zeit mißt,
während der das Gewicht den Höhenunterschied zwischen zwei Marken
durchläuft. Aus diesen Daten (Gewicht, Radius der Seilscheibe, Höheunterschied
und Zeit) müßten sich Drehmoment, Drehzahl und abgegebene mechanische
Leistung berechnen lassen. Mißt man auch noch die während des
Versuchs aufgenommene elektrische Leistung, läßt sich auch
der Wirkungsgrad berechnen.
Führt man diese Messungen mit verschiedenen Gewichten (bei einer
festen Motor-Betriebsspannung) durch, läßt sich obiges Leistungsdiagramm
punktweise bestimmen. Variiert man außerdem die Betriebsspannung,
könnte man ein ganzes Kennlinien-Feld erzeugen.
(Falls jemand diesen Versuch aus Spaß am Experimentieren oder als
Praktikumsversuch erfolgreich aufbaut, würde ich mich über eine
Mitteilung sehr freuen !)
Drehmoment- und Leistungsmessung an einzelnen Motoren der Z-Lokomotiven
scheinen mir diese allerdings nicht zuverlässig charakterisieren
zu können, denn ich habe schon etliche Dreipol-Motoren untersucht
(siehe oben !), die fabrikationsbedingt (oder mißbräuchlich
?) große Unterschiede in der Stärke der Permanentmagnete, wovon
das Drehmoment ja abhängt, hatten und vermute, daß es bei den
5-Polern nicht viel anders sein wird. Für zuverlässige Aussagen
müßte man also Statistik betreiben.
In Leistung und Drehmoment tun die Motoren sich alle nicht viel, und auf
den Wirkungsgrad kommt es in der Modellbahn-Praxis ja wohl nicht an. Da
sind schlechte und manchmal klemmende Getriebe und die Rad-Schiene-Haftung
das größere Problem.
Was man aus dem Leistungsdiagramm ersehen kann
Bei der Drehung des Ankers im Feld wird in dessen Wicklungen eine Spannung
induziert, die der angelegten Betriebsspannung entgegengerichtet ist (Gegenspannung,
Gegen-EMK) und mit steigender Drehzahl zunimmt. Der Motor nimmt bei der
jeweiligen Drehzahl daher nur den Strom auf, der der Differenz von Betriebsspannung
und Gegenspannung entspricht. Das bedeutet, daß er im Moment des
Anschaltens den höchstmöglichen Strom (begrenzt durch den Drahtwiderstand
der Ankerwicklung und evtl. den Bürsten-Übergangswiderstand)
und die entsprechende höchste elektrische Leistung aufnimmt und damit
beim Anlaufen das größte Drehmoment entwickelt.
Mit zunehmender Drehzahl n nimmt die elektrische Leistungsaufnahme L und
damit das Drehmoment M annähernd linear ab. Bei der Höchstdrehzahl
gibt der Motor kein nutzbares Drehmoment an der Welle mehr ab, die dann
noch vorhandene elektrische Leistungsaufnahme dient der Abdeckung der
inneren Energieverluste (Lagerreibung, Erwärmung, Wirbelstromverluste
u.ä.) des Motors.
Der höchste Wert der abgegebenen mechanischen Leistung N des Motors,
für den obiges Diagramm gemessen wurde, wird bei einer Drehzahl von
2100 U/min, der optimale Wirkungsgrad bei 3600 U/min erreicht.
|